Zahlreiche archäologische Fundstücke aus der Alt‑, Mittel- und Jungsteinzeit in der Umgebung unserer Gemeinde belegen, dass die an Wasserquellen reiche Gegend von Niederanven schon seit frühester Zeit besiedelt war.
Erste schriftliche Erwähnung findet, die antike Bezeichnung für Niederanven, als Reisestation “Andethannale vicus Leugas XX” zwischen Arlon und Trier in einer römischen Reisekarte (“Itinerarium Provinciarum Antonini”) aus der Regierungszeit des Kaisers Diokletian (um 300 n. Ch.). Auch der im Dezember 1919 in Hostert gefundene Grabstein der Gallia Varicillus sowie die durch die Gemeinde verlaufende alte Römerstraße (von Reims nach Trier) sind wichtige Zeugnisse aus der Römerzeit.
Ein weiteres Mal, im Jahre 386 n.Ch., taucht der Name „Andethanna“ in der Urkunde des Sulpicius Severus auf, in der dieser über eine Reise des Heiligen Martin — Bischof von Tours — durch Niederanven nach Trier berichtet.
1176 wird erstmals der Ortsname“Hofsteden” in einer Urkunde von Heinrich dem Blinden — Graf von Namur- erwähnt. Hofstätte, Hofstelle oder Hostert sind charakteristische Namen für Orte, die aus gallo-römischen Überresten entstanden sind. Um 1200 wird zum ersten Mal Ernster als “Erenze” urkundlich erwähnt. Im Weistum des HofesAnwen, einer bäuerlichen Rechtssatzung des Mittelalters, wird Rameldingen erstmals 1362 genannt.
Der aus Ober- und Niederanven, Hostert, Senningen, Rameldingen und Ernster bestehende Hof „Anwen“ findet in zahlreichen Urkunden des 12. Jahrhunderts Erwähnung. Die Gründung des Hofes, der eine eigene Gerichtsbarkeit besaß, geht vermutlich auf die fränkischen Könige zurück. Erste Angaben zur Bevölkerung im Hof Anwen finden sich in einer Feuerstättenzählung aus dem Jahre 1473. Damals lebten ungefähr 250 Einwohner in etwa 36 Haushalten (Feuerstätten). Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) sowie Seuchen (vor allem die Pest) bewirkten einen starken Bevölkerungsrückgang im 17. Jahrhundert.
Mit dem Ausbau Niederanvens zu einer Relaisstation auf der Postkutschenlinie Brüssel-Luxemburg-Trier in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ging ein wirtschaftlicher Aufschwung einher. Postmeister, Kutscher und Reisende brachten ein reges Geschäftstreiben in den Ort.
Die Gemeinde Niederanven mit ihren heutigen Ortsteilen, mit Ausnahme des erst seit 1842 existierenden Ortsteiles Senningerberg, wurde am 1.10.1795 in den Wirren der Französischen Revolution geschaffen. Einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Blüte Niederanvens im 18. und 19. Jahrhundert leisteten die insgesamt 12 Getreide‑, Öl‑, Papier- und Sägemühlen entlang des Hosterter Baches und des Senningerbaches. Die älteste Mühle ist die bereits 1296 urkundlich erwähnte Senninger Bannmühle.
Ein weiteres wichtiges Wirtschaftsunternehmen im 19. Jahrhundert war die Papierfabrik zu Senningen, die weit über die Grenzen Luxemburgs bekannt wurde. Mit dem
Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 begann jedoch der Niedergang des von Jacques Lamort gegründeten Unternehmens. 1882 stellte die Fabrik ihren Betrieb ein. Der Industrielle Ernest Dervaux aus Paris riss die leeren Fabrikgebäude ab, baute das Herrenhaus zu einem Schloss um und legte einen prächtigen Park an: die Geburtsstunde von Schloss Senningen.